Olympia 2026 Eishockey Gruppen — 12 Herren-Teams & Deutschlands Gegner

Drei Gruppen bei den Herren, zwei bei den Frauen — Deutschlands Olympia-Weg. Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand bringen das Eishockey in eine Konstellation, die es seit zwölf Jahren nicht mehr gab: NHL-Stars auf olympischem Eis. Zwölf Herren-Nationalmannschaften und zehn Frauen-Teams kämpfen vom 5. bis 22. Februar 2026 um Gold — in Arenen, die für dieses Turnier gebaut oder umgebaut wurden. Für Deutschland stellt sich die Frage, in welcher Gruppe das DEB-Team landet und welche Gegner auf dem Weg durch das Turnier warten. Hier ist die Übersicht über beide Turniere, die Gruppenstrukturen und eine Einschätzung der deutschen Chancen.
Herren-Gruppen — drei Pools, 12 Teams
Das olympische Eishockey-Turnier der Herren umfasst 12 Nationalmannschaften, aufgeteilt in drei Gruppen zu je vier Teams. Die Gruppenphase findet vom 5. bis 14. Februar statt, wobei jedes Team drei Vorrundenspiele bestreitet. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe sowie die zwei besten Dritten ziehen direkt ins Viertelfinale ein, die verbleibenden vier Teams spielen in einer Qualifikationsrunde um die letzten beiden Viertelfinalplätze.
Die Gruppenauslosung basiert auf der IIHF-Weltrangliste und berücksichtigt geographische und sportliche Kriterien. Kanada, Finnland und Schweden sind als Gruppenköpfe gesetzt — die drei Nationen, die bei olympischen Turnieren historisch die meisten Medaillen gewonnen haben. Die USA, Tschechien und Deutschland bilden die zweite Setzreihe, gefolgt von der Schweiz, der Slowakei und weiteren Qualifikanten. Die endgültige Gruppenauslosung berücksichtigt auch den jüngsten Qualifikanten: Lettland hat sich über das olympische Qualifikationsturnier seinen Platz gesichert und bringt mit Alberts Smits den jüngsten Olympia-Teilnehmer des gesamten Eishockey-Turniers ins Feld — gerade einmal 18 Jahre alt.
Was das Herren-Turnier 2026 von früheren Olympischen Spielen unterscheidet, ist die Rückkehr der NHL-Spieler. Alle 32 NHL-Clubs stellen mindestens einen Olympioniken, und insgesamt werden NHL-Profis 16 verschiedene Nationen vertreten. Das bedeutet: Die Gruppenduelle werden auf einem Niveau ausgetragen, das bei Weltmeisterschaften so nicht möglich ist, weil dort viele NHL-Spieler wegen der laufenden Playoffs fehlen. Bei Olympia dagegen pausiert die NHL vom 6. bis 24. Februar komplett — es ist das erste Best-on-Best-Turnier seit Sotschi 2014.
Russland, traditionell eine der stärksten Eishockey-Nationen, ist von den Olympischen Spielen 2026 ausgeschlossen — eine Folge des Angriffs auf die Ukraine und der daraus resultierenden Sanktionen. Dieser Ausschluss verändert die Gruppenstruktur und öffnet Türen für Teams, die sonst in der Vorrunde auf eine russische Mannschaft hätten treffen können. Für Nationen wie die Schweiz, Deutschland oder die Slowakei erhöht sich damit die Chance, die Gruppenphase unter den besten Zwei zu überstehen.
Für die Qualität der Gruppenphase bedeutet das Gesamtbild trotzdem: Selbst die vermeintlich schwächeren Teams werden von NHL-Profis verstärkt. Die Slowakei, Lettland oder die Schweiz können auf Spieler zurückgreifen, die in der Regular Season gegen die weltbesten Kader antreten. Es wird keine leichten Spiele geben — weder für Kanada noch für irgendein anderes Team.
Frauen-Turnier — zwei Gruppen, 10 Teams
Das Frauen-Turnier bei Olympia 2026 umfasst zehn Nationalmannschaften, aufgeteilt in zwei Gruppen zu je fünf Teams. Das Kräfteverhältnis im Frauen-Eishockey ist traditionell stärker polarisiert als bei den Herren: Kanada und die USA dominieren den Sport seit Jahrzehnten und standen in jedem olympischen Finale seit der Einführung des Frauen-Turniers 1998 im Endspiel. Die Frage ist weniger, ob diese beiden Teams ins Finale kommen, sondern ob ihnen jemand den Weg dorthin streitig machen kann.
Finnland, Tschechien und Japan gehören zur erweiterten Spitze und haben bei den letzten Weltmeisterschaften gezeigt, dass sie Kanada und die USA in Einzelspielen herausfordern können. Tschechien hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg im Frauen-Eishockey erlebt und gilt als das Team, das die nordamerikanische Dominanz am ehesten durchbrechen könnte. Die Schweiz, Schweden und Deutschland zählen zum Mittelfeld, wobei die Leistungsunterschiede in dieser Gruppe erheblich sind. Für das deutsche Frauen-Team wäre bereits das Erreichen des Viertelfinals ein Erfolg — und ein Zeichen dafür, dass die Investitionen in das Frauen-Eishockey in Deutschland Früchte tragen.
Das Format sieht vor, dass die vier besten Teams jeder Gruppe ins Viertelfinale einziehen. Die Gruppenphase erstreckt sich über die erste Turnierwoche, die K.-o.-Runde beginnt in der zweiten Woche parallel zum Herren-Turnier. Die Frauen-Finalspiele finden in der PalaItalia statt — derselben Arena, in der auch das Herren-Finale ausgetragen wird, was dem Frauen-Turnier eine Bühne gibt, die seiner Bedeutung gerecht wird.
Im Vergleich zu den Weltmeisterschaften hat das olympische Turnier für die Frauen-Teams eine besondere Strahlkraft. Die mediale Aufmerksamkeit ist bei Olympia ungleich höher als bei der WM, und für viele Spielerinnen ist die Teilnahme an Olympischen Spielen der Höhepunkt ihrer Karriere. Die wachsende Professionalisierung des Frauen-Eishockeys — mit der nordamerikanischen PWHL als erster professioneller Frauen-Liga, die seit 2024 regelmäßigen Spielbetrieb bietet — gibt dem Turnier zusätzliche Relevanz. Die PWHL hat die Sichtbarkeit des Frauen-Eishockeys massiv erhöht, und die olympischen Spiele in Mailand werden von diesem Momentum profitieren: Mehr Fans, mehr Medieninteresse, mehr Sponsoren als bei jedem früheren olympischen Frauen-Turnier.
DEB — Deutschlands Aufstellung und Chancen
Deutschlands Herren-Team reist mit einer Mischung aus Erfahrung und Hoffnung nach Mailand. Der Kader wird maßgeblich davon abhängen, welche NHL-Spieler zur Verfügung stehen. Leon Draisaitl ist der unangefochtene Star — sein Einfluss auf das Spiel des DEB-Teams ist so groß, dass die Mannschaft mit und ohne ihn wie zwei verschiedene Teams wirkt. Tim Stützle und Moritz Seider ergänzen die NHL-Fraktion, dazu kommen die stärksten DEL-Spieler und einzelne Profis aus der Schweizer National League oder der schwedischen SHL. Die Torhüter-Frage wird entscheidend sein: Bei olympischen Turnieren, in denen die Kader kleiner sind als bei WM-Turnieren, kann ein Torhüter in Topform den Unterschied zwischen Vorrunden-Aus und Medaillengewinn bedeuten.
Die Referenz für Deutschlands olympische Ambitionen bleibt die Silbermedaille bei Olympia 2018 in Pyeongchang — ein Turnier, bei dem das DEB-Team ohne NHL-Verstärkung mit Leidenschaft, taktischer Disziplin und einem überragenden Torhüter die Eishockey-Welt überraschte. Deutschland erreichte das Finale und verlor erst in der Verlängerung gegen die russische Auswahl (OAR). Die Erinnerung an diesen Silbertraum lebt in der deutschen Eishockey-Gemeinde fort und nährt die Hoffnung, dass bei einem großen Turnier alles möglich ist.
Realistisch betrachtet liegt Deutschlands Ziel im Viertelfinale und bestenfalls im Halbfinale. In einer Gruppe mit einem der Top-Seeds — Kanada, Finnland oder Schweden — wird bereits die Vorrunde zur Herausforderung. Aber das deutsche Eishockey hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es auf der großen Bühne konkurrenzfähig ist. Die Breite des Kaders hat sich verbessert, die Nachwuchsarbeit des DEB zeigt Wirkung, und die Erfahrung von mittlerweile mehreren großen Turnieren mit NHL-Verstärkung gibt dem Team eine Reife, die früheren Generationen fehlte. Der Weg durch die Olympia-Gruppen 2026 beginnt am 5. Februar in Mailand — und Deutschlands Chancen sind so gut wie seit Jahren nicht.
Von Experten geprüft: Tobias Busch