NHL bei Olympia 2026 — Rückkehr nach 12 Jahren, alle 32 Clubs vertreten

12 Jahre Pause — jetzt kehrt die NHL auf die olympische Bühne zurück. Seit den Winterspielen 2014 in Sotschi haben NHL-Spieler nicht mehr an Olympischen Spielen teilgenommen, und die Lücke war spürbar. Kein Connor McDavid gegen Sidney Crosby unter olympischer Flagge, kein Best-on-Best-Turnier, das den besten Eishockey-Spielern der Welt die größte Bühne bietet. In Mailand 2026 ändert sich das: Alle 32 NHL-Clubs stellen mindestens einen Olympioniken, die Liga pausiert vom 6. bis 24. Februar, und die Welt bekommt ein Eishockey-Turnier, auf das sie über ein Jahrzehnt gewartet hat.
Geschichte — NHL und Olympia seit 1998
Die Beziehung zwischen NHL und Olympischen Spielen ist eine Geschichte aus Höhepunkten und Konflikten. Alles begann 1998 in Nagano, als NHL-Spieler erstmals an Olympischen Winterspielen teilnahmen. Das Turnier war ein sofortiger Erfolg: Die besten Spieler der Welt in Nationaltrikots, Kanada gegen Russland mit NHL-Stars auf beiden Seiten — es war Eishockey in seiner reinsten Form.
Salt Lake City 2002 lieferte eines der legendärsten Finales der Sportgeschichte: Kanada besiegte die USA vor einem nordamerikanischen Publikum und holte erstmals seit 50 Jahren olympisches Gold im Herren-Eishockey. Turin 2006 bestätigte den Wert des Formats, auch wenn Schweden überraschend den Titel holte und zeigte, dass bei Best-on-Best-Turnieren nicht immer die Favoriten gewinnen. Vancouver 2010 setzte die Tradition fort und produzierte mit dem Golden Goal von Sidney Crosby den vielleicht ikonischsten Moment der NHL-Olympia-Geschichte — ein Tor in der Overtime des Finales gegen die USA, das ein ganzes Land in Extase versetzte. Sotschi 2014 war das vorerst letzte Turnier mit NHL-Beteiligung — Kanada gewann erneut Gold, dominierte das Turnier von Beginn an und bestätigte seinen Status als Eishockey-Supermacht.
Dann kam der Bruch. Für Pyeongchang 2018 und Peking 2022 verweigerte die NHL die Teilnahme. Die Gründe waren wirtschaftlicher Natur: Die Liga sah keinen ausreichenden finanziellen Gegenwert für die dreiwöchige Saisonunterbrechung, die Versicherungsfragen für verletzte Spieler waren ungeklärt, und das IOC war nicht bereit, die Kosten für Transport und Unterkunft der NHL-Delegationen zu übernehmen. Die Folge: Olympia fand ohne die besten Spieler statt, und das Turnier verlor erheblich an Qualität und Aufmerksamkeit. Stattdessen schickten die Nationen Kader aus europäischen Ligaspielern und AHL-Profis — respektable Teams, aber kein Vergleich mit dem, was ein Best-on-Best-Turnier bietet. Die Resultate waren entsprechend unvorhersehbar: Deutschland erreichte 2018 in Pyeongchang ohne NHL-Konkurrenz das Finale und gewann Silber — ein historisches Ergebnis, das unter NHL-Beteiligung kaum vorstellbar gewesen wäre.
Für Mailand 2026 haben sich NHL und Spielergewerkschaft NHLPA geeinigt, die Olympia-Teilnahme wieder aufzunehmen. NHL-Commissioner Gary Bettman fasste die Entscheidung in klare Worte: Die Spieler wollten unbedingt zu Olympia zurückkehren, und ihr Engagement für das Spiel habe den Ausschlag gegeben. Die Einigung umfasst eine vollständige Saisonpause, Versicherungsregelungen und eine Kostenverteilung, die für beide Seiten tragbar ist. Das IOC hat seine Position ebenfalls angepasst und mehr finanzielle Zugeständnisse gemacht als bei den gescheiterten Verhandlungen für 2018 und 2022. Die Rückkehr ist das Ergebnis eines Kompromisses, der allen Beteiligten Zugeständnisse abverlangt hat — aber das Ergebnis ist das, was Fans weltweit sich gewünscht haben.
Alle 32 Clubs mit Olympioniken
Das Ausmaß der NHL-Beteiligung an Olympia 2026 ist beeindruckend: Alle 32 NHL-Clubs stellen mindestens einen Olympia-Teilnehmer. Das bedeutet, dass kein einziges Team von der Olympia-Pause unbetroffen bleibt — jeder Club verliert Spieler an die Nationalmannschaften und muss die dreiwöchige Unterbrechung in seine Saisonplanung einbeziehen.
Die prominentesten Namen lesen sich wie ein Who’s Who des Eishockeys: Connor McDavid führte die NHL zum Zeitpunkt des Olympia-Breaks mit 96 Punkten in 58 Spielen an und ist der Fixpunkt des kanadischen Teams. Sidney Crosby, mit 38 Jahren und 188 Tagen der älteste Spieler im kanadischen Aufgebot, nimmt zum vierten Mal an Olympischen Spielen teil — und möglicherweise zum letzten Mal. Leon Draisaitl trägt das deutsche Trikot und ist einer der Stars, die dem Turnier eine globale Dimension geben.
Insgesamt vertreten NHL-Profis 16 verschiedene Nationen bei den Olympischen Spielen. Neben den traditionellen Eishockey-Großmächten Kanada, USA, Schweden, Finnland und Tschechien sind auch Spieler aus der Schweiz, Lettland, Slowenien, Deutschland und anderen Nationen vertreten. Für diese Länder kann ein einzelner NHL-Star den Unterschied zwischen einer grauen Vorrunde und einem unvergesslichen Olympia-Erlebnis ausmachen. Deutschland profitiert hier besonders: Draisaitl, Stützle und Seider bringen NHL-Erfahrung und Playoff-Härte mit, die das DEB-Team auf ein Niveau heben, das ohne diese Spieler nicht erreichbar wäre.
Der jüngste Olympia-Teilnehmer im gesamten Eishockey-Turnier ist Alberts Smits aus Lettland — gerade einmal 18 Jahre und 71 Tage alt zum Turnierstart. Am anderen Ende der Skala steht Crosby mit 38 Jahren. Die Spannweite von Smits‘ Debüt bis zu Crosbys möglichem Abschied zeigt, welche Generationen dieses Turnier zusammenbringt. Es ist genau diese Mischung aus etablierten Legenden und aufstrebenden Talenten, die olympisches Eishockey zu etwas Besonderem macht.
Was die Pause für die NHL-Saison bedeutet
Die NHL pausiert vom 6. bis 24. Februar 2026 — 18 Tage ohne Regular-Season-Spiele, mitten in der intensivsten Phase der Saison. Für die Liga ist das ein signifikanter Eingriff in den Spielplan: Die 1.312 Partien der Regular Season müssen in einem verkürzten Zeitraum untergebracht werden, was vor und nach der Olympia-Pause zu einer höheren Spielfrequenz führt.
Für die Teams bedeutet die Pause ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können Spieler, die nicht an Olympia teilnehmen, regenerieren und Verletzungen auskurieren — eine willkommene Atempause in einer Saison, die mit 82 Spielen ohnehin an die Substanz geht. Andererseits kehren die Olympia-Teilnehmer nach einem intensiven Turnier — möglicherweise mit Blessuren, Jetlag und emotionaler Erschöpfung — zurück in den NHL-Alltag und müssen sich sofort wieder in den Rhythmus der Regular Season einfinden. Teams mit vielen Olympioniken, wie die Toronto Maple Leafs oder die Edmonton Oilers, sind besonders betroffen und müssen ihre Kaderplanung entsprechend anpassen.
Die Saisonplanung der NHL hat die Olympia-Pause von Anfang an berücksichtigt. Der Spielplan wurde so gestaltet, dass vor der Pause möglichst viele Division-Spiele absolviert werden und nach der Pause genügend Partien verbleiben, um die Standings zu klären. Die letzten Wochen der Regular Season nach der Olympia-Rückkehr werden zu den intensivsten des Jahres gehören — und für die Playoff-Qualifikation entscheidend sein.
Für die Fans ist die Olympia-Pause ein Geschenk: Knapp drei Wochen lang gibt es tagsüber olympisches Eishockey mit den besten Spielern der Welt, und abends muss niemand auf NHL-Ergebnisse warten. Es ist ein seltener Moment, in dem der gesamte Fokus der Eishockey-Welt auf einem einzigen Turnier liegt. 12 Jahre Pause — und jetzt kehrt die NHL auf die olympische Bühne zurück, mit allen Stars, allen 32 Clubs und der Intensität, die nur Best-on-Best-Eishockey bieten kann.
Von Experten geprüft: Tobias Busch