DEL Modus erklärt — Hauptrunde, Punktewertung & Auf- und Abstieg 2025/26

DEL Modus 2025/26 mit Erklärung zu Hauptrunde, Punkten und Auf- und Abstieg

52 Spiele, klare Regeln — so funktioniert die DEL. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein System, das in seiner scheinbaren Einfachheit erstaunlich viele taktische Feinheiten bereithält. Die Deutsche Eishockey Liga spielt ihre Saison 2025/26 mit 14 Mannschaften, einer doppelten Heim- und Auswärtsrunde, einem Drei-Punkte-System, das Overtime-Spiele besonders belohnt, und einer Auf- und Abstiegsregelung, die erst seit wenigen Jahren wieder zum Repertoire gehört. Wer den DEL-Modus verstehen will — von der ersten Sirene im September bis zum letzten Tor im Mai — bekommt hier die komplette Erklärung.

Hauptrunde — 52 Spiele, jeder gegen jeden

Die Grundstruktur der DEL-Hauptrunde ist denkbar übersichtlich: 14 Teams treten in einer einfachen Ligatabelle gegeneinander an. Jedes Team spielt gegen jeden Gegner viermal — zweimal zu Hause, zweimal auswärts. Bei 13 Gegnern ergibt das 52 Hauptrundenspiele pro Mannschaft, insgesamt 364 Partien in der regulären Saison. Der Saisonstart 2025/26 erfolgte am 9. September 2025, das letzte Hauptrundenspiel ist für Mitte März 2026 terminiert.

Diese Struktur hat einen entscheidenden Vorteil: Fairness. Anders als in der NHL, wo Teams je nach Division unterschiedlich oft aufeinandertreffen, spielt in der DEL jeder gegen jeden gleich häufig. Es gibt keine geographischen Vorteile, keine weichen Divisionen, keine Scheduling-Asymmetrien. Wer am Ende der Hauptrunde oben steht, hat sich das gegen das gesamte Feld verdient.

Die Spieltage sind über die Woche verteilt, wobei der Freitag als klassischer DEL-Abend gilt. Sonntags finden Nachholspiele und TV-Partien statt, die auf DF1 im Free-TV übertragen werden. Der Rhythmus von zwei bis drei Spielen pro Woche stellt hohe Anforderungen an die Kadertiefe — Verletzungen, Sperren und internationale Abstellungen fordern jedes Team im Laufe der Saison. Ein typischer DEL-Kader umfasst rund 25 Spieler, von denen an einem Spieltag 20 bis 22 zum Einsatz kommen.

Besonderes Gewicht haben die direkten Duelle. Da jedes Team viermal auf jeden Gegner trifft, entwickeln sich über die Saison echte Rivalitäten. Die Spiele zwischen Berlin und München, zwischen Köln und Düsseldorf — in dieser Saison nur noch als Erinnerung, weil Düsseldorf abgestiegen ist — oder zwischen Mannheim und Nürnberg haben eine Intensität, die über das einzelne Ergebnis hinausgeht. Diese Derbys füllen die Hallen und liefern die Geschichten, die eine Saison prägen.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke äußerte sich im Zusammenhang mit den Rekordzuschauerzahlen auch zur Ligazusammensetzung und stellte fest, dass das Potenzial an manchen Standorten fast erschöpft sei. Standorte wie Köln erreichten pro Spiel eine Auslastung von mehr als 90 Prozent. Das spricht für die Attraktivität des Formats — und für ein Produkt, das in der 32. DEL-Saison offensichtlich funktioniert.

Auf- und Abstieg — die Verbindung zur DEL2

Jahrelang war die DEL eine geschlossene Gesellschaft. Wer drin war, blieb drin — egal wie schlecht die sportliche Leistung ausfiel. Diese Ära ist vorbei. Seit der Saison 2023/24 gibt es wieder einen Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2, und das hat die Dynamik der Liga grundlegend verändert.

Das Prinzip ist klar: Der Letzte der DEL-Hauptrunde steigt ab, der Meister der DEL2 steigt auf — vorausgesetzt, der Aufsteiger erfüllt die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Auflagen der DEL. Diese Lizenzierungsbedingungen umfassen unter anderem Hallenkapazität, Budget-Nachweise und organisatorische Standards. Dass der Aufstieg kein Selbstläufer ist, zeigt das Beispiel der Dresdner Eislöwen, die als DEL2-Meister 2025 in die DEL aufgestiegen sind, deren JOYNEXT Arena aber mit 4.412 Plätzen die kleinste der Liga ist.

Die DEL2 hat ihrerseits reagiert und die Richtlinien für die Saison 2025/26 verschärft: Alle Clubs müssen ab sofort mindestens zwei Fanbeauftragte benennen — bisher war nur einer vorgeschrieben. Es ist ein kleines Detail, aber es zeigt, wie die Professionalisierung von oben nach unten durchsickert.

Für die DEL selbst hat der Abstieg eine heilsame Wirkung. Teams, die in früheren Jahren zum Saisonende nichts mehr zu gewinnen und nichts zu verlieren hatten, kämpfen jetzt bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt. Das erhöht die Intensität der Spiele, hält die Zuschauer bei der Stange und gibt der Tabelle im unteren Bereich eine Relevanz, die sie ohne Abstiegsrisiko nie hätte.

Gleichzeitig bleibt der Abstieg kontrovers. Kritiker argumentieren, dass der wirtschaftliche Schaden eines Abstiegs für einen DEL-Club existenzbedrohend sein kann — Sponsorenverträge, die an die Erstliga-Zugehörigkeit geknüpft sind, fallen weg, die Hallenauslastung sinkt, Spieler verlassen den Verein. Befürworter halten dagegen, dass sportliche Konsequenz das Fundament jeder Liga ist und dass die DEL ohne Abstieg zu einem geschlossenen Club ohne Wettbewerb am Tabellenende verkommen war. Beide Seiten haben Argumente, und die Praxis wird in den kommenden Jahren zeigen, welches Modell die Liga langfristig stärker macht.

Punkte, Overtime & Penalty — die Wertung

Das Punktesystem der DEL folgt der sogenannten Drei-Punkte-Regel und unterscheidet sich damit von der NHL, die ein Zwei-Punkte-System verwendet. In der DEL gibt es für einen Sieg in der regulären Spielzeit drei Punkte, für einen Overtime- oder Shootout-Sieg zwei Punkte und für eine Overtime- oder Shootout-Niederlage einen Punkt. Bei einer Niederlage in der regulären Spielzeit gibt es null Punkte.

Dieses System hat einen spürbaren Effekt auf die Spieltaktik. Im letzten Drittel eines ausgeglichenen Spiels riskieren manche Teams bewusst weniger, um das Spiel zumindest in die Overtime zu bringen — denn ein Punkt für die Overtime-Niederlage ist immer noch besser als null Punkte für eine Niederlage nach 60 Minuten. Kritiker bemängeln, dass das zu defensiverem Eishockey führt; Befürworter argumentieren, dass es die Spannung erhöht, weil weniger Spiele frühzeitig entschieden sind.

Die Overtime in der Hauptrunde dauert fünf Minuten und wird im Format 3-gegen-3 gespielt — ein offenes, tempointensives Format, das durch die zusätzliche Eisfläche pro Spieler viele Chancen erzeugt. Fällt in der Overtime kein Tor, folgt ein Penaltyschießen mit drei Schützen pro Team, bei Gleichstand anschließend im Sudden-Death-Modus. In den Playoffs gibt es kein Shootout. Stattdessen werden Verlängerungen im Format 5-gegen-5 ohne Zeitlimit gespielt, bis ein Tor fällt.

Die Tiebreaker-Regelung bei Punktgleichheit staffelt sich folgendermaßen: Zuerst zählen die Punkte im direkten Vergleich, dann die Tordifferenz im direkten Vergleich und danach die Anzahl der im direkten Vergleich erzielten Tore. Dieses Regelwerk kann am letzten Spieltag der Hauptrunde für erhebliche Spannung sorgen — besonders wenn mehrere Teams um die letzten Playoff-Plätze kämpfen und der direkte Vergleich zum entscheidenden Faktor wird.

Im Vergleich zur NHL zeigt sich der Unterschied deutlich: Die NHL vergibt zwei Punkte für jeden Sieg, einen Punkt für eine Overtime- oder Shootout-Niederlage und null für eine Niederlage in der regulären Spielzeit. Das bedeutet, dass in der NHL bei jedem Overtime-Spiel insgesamt drei Punkte vergeben werden, während es in der DEL immer genau drei sind, egal ob regulär oder in der Verlängerung entschieden wird. Die DEL-Variante gilt als gerechter, weil die Gesamtzahl der vergebenen Punkte pro Spiel konstant bleibt und keine Inflation entsteht.

Für den Fan, der abends vor dem Fernseher oder in der Halle sitzt, bedeutet das Punktesystem vor allem eins: Jedes Spiel hat Gewicht, und selbst eine Overtime-Niederlage ist kein verlorener Abend. Das DEL-Punktesystem ist kein bloßes Zahlenwerk, sondern ein Mechanismus, der die Liga bis zum letzten Abend offenhält. 52 Spiele, klare Regeln — und ein System, das dafür sorgt, dass die DEL-Saison nie langweilig wird.

Von Experten geprüft: Tobias Busch