Overtime & Shootout im Eishockey — Regeln für DEL, NHL & WM einfach erklärt

Overtime und Shootout Regeln im Eishockey für DEL, NHL und WM

Unentschieden gibt es nicht — so wird im Eishockey entschieden. Wenn nach 60 Minuten kein Sieger feststeht, greift ein Regelwerk, das je nach Liga und Turnier unterschiedlich ausfällt: Overtime, Shootout, Sudden Death. Für Einsteiger klingen die Abkürzungen OTS, SOS und OTL wie ein Geheimcode, und selbst erfahrene Fans verlieren gelegentlich den Überblick, ob in der DEL 3-gegen-3 oder 5-gegen-5 gespielt wird und wann das Shootout greift. Hier ist die vollständige Erklärung — von der regulären Verlängerung über das Penaltyschießen bis zu den Unterschieden zwischen DEL, NHL und IIHF-Turnieren.

Overtime — so läuft die Verlängerung

Die Grundidee ist simpel: Steht es nach drei Dritteln unentschieden, wird weitergespielt. Wie weitergespielt wird, hängt allerdings von der Liga und dem Wettbewerb ab, und genau hier beginnen die Unterschiede.

In der DEL-Hauptrunde dauert die Overtime fünf Minuten und wird im Format 3-gegen-3 gespielt — drei Feldspieler plus Torhüter auf jeder Seite. Das 3-gegen-3-Format wurde eingeführt, um die Verlängerung offener und torchancenreicher zu gestalten. Auf der vollen Eisfläche mit nur sechs Feldspielern entsteht deutlich mehr Raum als im regulären 5-gegen-5, und die Spieler müssen in beiden Richtungen arbeiten: Ein Fehler in der Offensive führt sofort zu einem Konter mit Überzahl. In der DEL fallen pro Saison über 52 Hauptrundenspiele pro Team regelmäßig Entscheidungen in der Overtime — der Punktverlust durch eine OT-Niederlage kann am Ende der Saison über Playoff-Plätze entscheiden.

Die NHL spielt ihre Regular-Season-Overtime ebenfalls im 3-gegen-3-Format, ebenfalls über fünf Minuten. Die Regelung ist nahezu identisch zur DEL: Fällt ein Tor, ist das Spiel sofort vorbei — Sudden Death. Das verlierende Team erhält einen Punkt, das siegreiche Team zwei. Dieses System wurde 2015 eingeführt und hat die Overtime-Phase zu einem der aufregendsten Teile eines NHL-Abends gemacht: Die Geschwindigkeit ist höher, die Spielzüge direkter, und die Torhüter sind exponierter als in jeder anderen Phase des Spiels.

Bei IIHF-Turnieren — Weltmeisterschaften und Olympische Spiele — folgt die Overtime einem anderen Schema. In der Gruppenphase wird 3-gegen-3 über zehn Minuten gespielt. In der K.-o.-Runde greift das 5-gegen-5-Format ohne Zeitlimit: Es wird gespielt, bis ein Tor fällt, mit Drittelpausen nach jeweils 20 Minuten. Diese Sudden-Death-Overtime ist das dramatischste Format im Eishockey und produziert regelmäßig Spiele, die nach einer, zwei oder sogar drei zusätzlichen Perioden enden.

In den DEL-Playoffs gilt dasselbe Prinzip: Kein Shootout, keine Zeitbegrenzung, 5-gegen-5 bis zum Golden Goal. Die Umstellung vom 3-gegen-3 der Hauptrunde auf das 5-gegen-5 der Playoffs ist für die Teams eine taktische Herausforderung — die offenen Räume verschwinden, die Defensive rückt in den Vordergrund, und der Torhüter wird zum entscheidenden Faktor. Playoff-Overtime-Spiele in der DEL, die nach Mitternacht enden, sind keine Seltenheit und gehören zu den intensivsten Momenten der Saison.

Shootout — der Nervenkitzel am Schluss

Wenn auch die Overtime kein Ergebnis bringt, folgt in der Hauptrunde das Shootout — ein Penaltyschießen, das den Sieger im Eins-gegen-Eins zwischen Schütze und Torhüter ermittelt. Das Shootout ist das umstrittenste Element des modernen Eishockeys: Fans lieben die Dramatik, Puristen kritisieren, dass ein Mannschaftssport durch einen Einzelwettbewerb entschieden wird.

Der Ablauf ist standardisiert: Drei Schützen pro Team treten abwechselnd an. Jeder Schütze startet von der Mittellinie und fährt allein auf den Torhüter zu — kein Zeitlimit für den Versuch, aber der Puck muss sich vorwärts bewegen. Tore werden gezählt, und nach drei Versuchen pro Seite steht der Sieger fest. Bei Gleichstand nach drei Schützen geht das Shootout in den Sudden Death: Ein Schütze pro Team, abwechselnd, bis eine Differenz entsteht.

In der DEL treten die Trainer vor dem Shootout an die Bande und nennen ihre Schützenreihenfolge. Die Wahl der Schützen ist taktisch: Der beste Penalty-Spezialist kommt nicht zwingend zuerst, weil der psychologische Druck mit jeder Runde steigt. Manche Trainer setzen ihren stärksten Schützen auf Position drei — dort, wo ein Tor den Sieg besiegeln oder ein Fehlschuss die Eliminierung bedeuten kann.

Die NHL und die IIHF folgen im Wesentlichen denselben Regeln, wobei die Details in der Schützenauswahl variieren: In der NHL darf jeder Spieler des Kaders antreten, in manchen IIHF-Turnieren gibt es Einschränkungen. Was alle Varianten gemeinsam haben: Das Shootout findet ausschließlich in der regulären Saison oder in der WM-Gruppenphase statt — nie in den Playoffs und nie in K.-o.-Spielen. Dort regiert der Sudden Death.

Die Punktevergabe nach dem Shootout entspricht der Overtime-Regelung: Das Siegerteam bekommt in der DEL zwei Punkte, in der NHL ebenfalls zwei, das Verliererteam erhält in beiden Ligen einen Punkt. Das Shootout-Ergebnis geht nicht in die persönlichen Statistiken der Spieler ein — in der NHL zählen Shootout-Tore nicht als reguläre Saisontore, was regelmäßig für Diskussionen sorgt, wenn ein Spieler knapp an einer statistischen Marke kratzt. Auch die Torhüter-Statistik wird durch Shootouts gesondert behandelt: Die Fangquote im Shootout fließt nicht in die reguläre Save Percentage ein, wird aber als eigenständige Kennzahl geführt.

Unterschiede zwischen DEL, NHL und IIHF

Die drei wichtigsten Eishockey-Regelwerke — DEL, NHL und IIHF Event Code — stimmen in den Grundprinzipien überein, unterscheiden sich aber in entscheidenden Details.

Die DEL verwendet die Drei-Punkte-Regel: Drei Punkte für einen Sieg in der regulären Spielzeit, zwei für einen Overtime- oder Shootout-Sieg, einer für eine OT/SO-Niederlage. Die NHL vergibt zwei Punkte für jeden Sieg und einen für eine OT/SO-Niederlage. Die IIHF folgt bei WM-Turnieren dem Drei-Punkte-Modell der DEL. Der Unterschied klingt marginal, hat aber erhebliche Auswirkungen auf die Tabelle: In der DEL ist ein Sieg in der regulären Spielzeit einen Punkt mehr wert als ein OT-Sieg, was Teams motiviert, offensiv zu spielen und das Spiel vor der Verlängerung zu entscheiden.

Die Overtime-Dauer variiert ebenfalls: DEL und NHL spielen fünf Minuten 3-gegen-3 in der Hauptrunde. Die IIHF setzt in der Gruppenphase zehn Minuten an. In der K.-o.-Runde gibt es bei IIHF und in den DEL-Playoffs keine Zeitbegrenzung — gespielt wird 5-gegen-5 bis zur Entscheidung. Die NHL-Playoffs folgen demselben Sudden-Death-Prinzip, allerdings werden dort volle 20-Minuten-Perioden gespielt, was die physische Belastung nochmals steigert.

Für Fans, die zwischen DEL, NHL und WM hin- und herwechseln, sind diese Unterschiede wichtig zu kennen — wer die OT-Regeln verwechselt, versteht die Tabelle nicht. Ein DEL-Fan, der zum ersten Mal NHL-Standings liest, wundert sich womöglich über die Punktevergabe; ein NHL-Fan, der die WM schaut, muss sich an die längere Overtime in der Gruppenphase gewöhnen. Die Unterschiede sind nicht riesig, aber im Detail relevant — besonders wenn es um die Beurteilung von Teamergebnissen und Wettquoten geht. Unentschieden gibt es im Eishockey nie — aber der Weg zur Entscheidung ist je nach Wettbewerb ein anderer.

Von Experten geprüft: Tobias Busch